Mini-Außenstelle der Arbeitsagentur direkt an der Uni

Seit April können sich Uni-Absolventen im Service-Center Studium bei der Stellensuche beraten und Jobs vermitteln lassen.

„Wonach suche ich eigentlich genau?“ Jelena Bindemann musste sich eingestehen, dass sie diese Frage nicht zufriedenstellend beantworten konnte. Vor zwei Monaten wandte sie sich deshalb erstmals an die Arbeitsvermittlerin Christel Lampe-Heinzinger aus dem Hochschulteam der Agentur für Arbeit. „Etwas mutlos bin ich da reingegangen“, erinnert sich Bindemann, die im Februar ihr Soziologie- und Betriebswirtschaftslehre-Studium an der Uni Freiburg abgeschlossen hat. Drei Monate hatte Bindemann vergeblich nach einem Job gesucht. Der erste Frust machte sich breit.

Das Gespräch mit Lampe-Heinzinger hat der 26-Jährigen einen Motivationsschub gegeben. „Sie hat anhand meines Lebenslaufs schnell erkannt, für welche Stellen ich mich bewerben kann“, sagt Bindemann. Ein klar definiertes Arbeitsfeld, so die frisch gebackene Absolventin, gebe es für Soziologen nicht. In der Marktforschung würde sie gerne arbeiten, eventuell auch im Personalbereich. Eine entsprechende Stelle hat sie noch nicht gefunden. Dass sie sich aber durchaus auch als Ansprechpartnerin für „Gender und Diversity“ eignet, darauf ist sie erst im Beratungsgespräch mit Lampe-Heinzinger gekommen. Eine Hochschule in Südbaden sucht derzeit einen wissenschaftlichen Mitarbeiter für Gleichstellungsfragen. Bindemann schickte ihre Bewerbung dorthin – und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Seit April, pünktlich zum Beginn des Sommersemesters 2010, können sich Absolventen der Uni Freiburg im neu konzipierten Service-Center Studium konkrete Stellen vermitteln lassen. Anmelden muss sich niemand, es herrscht das Prinzip der offenen Sprechstunde. Die Stellenvermittlung ist ein Kooperationsprojekt der Universität und der Agentur für Arbeit. Ziel ist es, Absolventen einen möglichst schnellen Übergang in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Sowohl die Universität als auch wir möchten mit dem Angebot auf die Studierenden zugehen und sie dort abholen, wo sie stehen“, erklärt Christel Lampe-Heinzinger.

Die Bewerbung muss passen – sonst ist die Sache Zeitverschwendung

Selbstverständlich ist das nicht. Das Career-Center gibt es zwar seit 2001, aber dort konnte man sich bislang nur allgemein über Chancen auf dem Arbeitsmarkt beraten lassen. Wer etwa einen Überblick über akademische Berufsfelder möchte oder Hilfe bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen benötigt, ist in der herkömmlichen Berufsberatung genau richtig. Immer mehr Absolventen wünschen sich jedoch Hilfestellung bei der Suche nach konkreten Stellen.

„Wer sich für Jobs bewirbt, auf die er oder sie nur ungefähr passt, verschwendet Zeit“, stellt die 50-jährige Arbeitsvermittlerin nüchtern fest. „Ein Personalchef wird Sie kaum kennen lernen wollen, wenn Sie von zehn Kriterien nur fünf erfüllen.“ Bei der Jobsuche müsse die Maxime „Qualität vor Quantität“ gelten: „Wenn Sie drei Bewerbungen auf passgenaue Stellen schreiben, macht das mehr Sinn als einhundert nach dem Gießkannenprinzip.“

Noch rennen der studierten Psychologin die Hochschulabsolventen nicht die Türe ein, aber Lampe-Heinzinger ist zuversichtlich, dass sich das ändert. „Im Moment läuft die heiße Prüfungsphase, und die heißen Temperaturen tun ein Übriges“, gibt sie zu bedenken. Außerdem müsse sich das Angebot erst noch herumsprechen. In den kommenden Wochen startet das Service-Center eine entsprechende Werbekampagne.

 

Erstmals erschienen in der Badischen Zeitung am 15.07.2010: www.badische-zeitung.de

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