Museumsnächte in weißem Polyestersatin

8500 Besucherinnen und Besucher waren am Wochenende bei den Museumsnächten mit dabei.

8500 Besucherinnen und Besucher sind am Wochenende zu den „Museumsnächten“ gekommen – damit waren die Kapazitätsgrenzen erreicht. „Wir sind sehr zufrieden mit den Besucherzahlen“, resümiert Tilmann von Stockhausen, der leitende Direktor der Städtischen Museen. Publikumshit war – erwartungsgemäß – das Augustinermuseum.

„Bello, bello e impossibile“ schallt es aus den Lautsprechern. Ja, hübsch sind sie wirklich, die gut gekleideten und frisierten Römerinnen – aber unmöglich, impossibile, scheint an diesem Abend im historischen Treppenhaus kaum etwas. Denn nur äußerst selten kommt man im Colombischlössle in den Genuss italienischer Rockmusik. Am Samstagabend, beim 16. Fest der Innenhöfe und bei den Museumsnächten, wird eine Ausnahme gemacht. Auf der Galerie im ersten Stock drängen sich die Besucher. Goldene Lorbeerkränze und Efeublätter schmücken die hochgesteckten Frisuren der jungen Damen. Die einen tragen eher schlichte Tuniken aus Baumwolle, andere präsentieren elegante Kleider aus feinstem Polyestersatin.

„Römische Moderne“, eine Modenschau der ungewöhnlichen Art, hat Premiere. 25 Studentinnen der Pädagogischen Hochschule haben für die Museumsnächte etwas Besonderes gewagt: Angeregt durch die Ausstellung „Kleider machen Römer und Römerinnen“ im Archäologischen Museum Colombischlössle haben sie die römische Mode neu interpretiert und für das Jahr 2010 in ein zeitgemäßes Gewand verpackt. „Im alten Rom bevorzugten die Frauen lockere Kleidung“, erklärt Reyhan Toklu. Die 23-Jährige trägt eine bodenlange Tunika, elegant verziert mit goldenen Pailletten.

„Warum unsere Ausstellungsobjekte nicht einmal auf neue Art und Weise präsentieren?“, dachte sich Helena Pastor, die Direktorin des Archäologischen Museums, und sprach im Frühjahr dieses Jahres Elke Storz an, Dozentin für Haushalt und Textil an der Pädagogischen Hochschule. Storz war begeistert, ihre Studentinnen ebenso. Im Anschluss an die Modenschau führt Beate Grimmer-Dehn, die stellvertretende Leiterin des Museums, durch die Ausstellung. Die interessierten Besucher erfahren, dass das würdevolle, bedächtige Auftreten der Menschen im alten Rom viel mit dem typischen Faltenwurf der Kleidung zu tun hat: „Wenn Sie eine Toga tragen, dann bewegen Sie sich vorsichtiger als normalerweise“, erklärt Grimmer-Dehn und fügt warnend hinzu: „Beachten Sie diese Regel nicht, haben Sie schnell ein paar Meter Stoff zu Ihren Füßen liegen.“

Nicht nur im Colombischlössle ist an diesem Abend viel los. Auch im Augustinermuseum drängen sich zahlreiche Besucher. „Das ist ja fast schon zu viel des Guten“, bemerkt der leitende Direktor der städtischen Museen Tilmann von Stockhausen, während er seinem Publikum die Höhepunkte des im Frühjahr neu eröffneten Museums präsentiert. Höhepunkt des Abends ist für viele das traditionelle Mitternachtskonzert auf dem Welte-Mignon-Reproduktionsflügel, das in diesem Jahr zum ersten Mal im Dachgeschoss des Augustinermuseums stattfindet. Die bereitgestellten Stühle reichen nur für einen Teil des Publikums, die restlichen Besucher machen es sich einfach auf dem Boden gemütlich.

 

Erstmals erschienen in der Badischen Zeitung am 26.07.2010: www.badische-zeitung.de

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