Inklusion beginnt auf der Tanzfläche

Tanzschule Gutmann und Lebenshilfe veranstalten Gala für Menschen mit und ohne Behinderung.

Unter dem Motto „Tanz inklusive“ hat die Tanzschule Gutmann gemeinsam mit der Lebenshilfe Freiburg am Samstagabend in den Friedrichsbau eingeladen. Die Idee: Eine Tanzgala für Menschen mit und ohne Behinderungen. Ein Wagnis, wie die Veranstalter einräumten – und ein Erfolg, wie der Abend zeigen sollte.

Über den Song „Valerie“ von Mark Ronson und Amy Winehouse freut sich Valerie Mark ganz besonders: „Das ist mein Lieblingslied“, sagt sie mit einem breiten Grinsen, während sie an einem der langen Tische Platz nimmt. Valerie hat schon fleißig getanzt an diesem Abend und braucht eine kleine Verschnaufpause. Sie blickt auf die Tanzfläche, wo sich zahlreiche Gäste gemeinsam am „Quickstep“ üben, einer neuen Foxtrott-Variante. Über ihre Behinderung wolle sie nicht sprechen, sagt die 28-Jährige, die als Moderatorin durch den Abend führt und sichtlich Spaß daran hat.

Im Saal der Tanzschule Gutmann im Friedrichsbau herrscht ausgelassene Stimmung: 150 Menschen – mit und ohne Behinderungen – sind der Einladung der Tanzschule und des Lebenshilfevereins gefolgt und bewegen sich bei der Gala „Tanz inklusive“ zu Disco-Fox, langsamem Walzer und flottem Quickstep. Mit im Programm: Tanzworkshops und eine Kunstauktion. Der Erlös der Bilder wie auch die Einnahmen aus den Eintrittskarten gehen an die Lebenshilfe, die sich seit mehr als 40 Jahren für die Rechte geistig behinderter Menschen und deren Angehöriger einsetzt.

Die Veranstaltung ist eine Premiere für Freiburg. Dass behinderte und nichtbehinderte Menschen gemeinsam feiern, sei alles andere als selbstverständlich, sagt Beatrice Barhofer. Die stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe weiß, wovon sie spricht, denn sie ist selbst Mutter eines behinderten Sohnes: „Man merkt, dass bei diesem Thema viele Menschen in der Gesellschaft Vorbehalte haben.“ Umso wichtiger, dass die Miteinbeziehung behinderter Menschen in das Alltagsleben, wie in der UN-Behindertenrechtskonvention unter dem Begriff „Inklusion“ gefordert, auch gelebt wird. „Tanz inklusive“, so die Idee, soll einen Beitrag dazu leisten, dass Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen kleiner werden.

Ein Stück weit sei das in Freiburg schon angekommen, freut sich Stadträtin Anke Dallmann, die in Vertretung des Oberbürgermeisters gekommen ist: „Das sieht man am Beispiel der Tanzschule Gutmann, die sich als Tanzschule für alle Menschen versteht“, lobt die 29-Jährige, die 2009 als erster Mensch im Rollstuhl in den Freiburger Gemeinderat gewählt wurde. Neu für die Tanzschule ist ein gemeinsamer Abend für alle, nicht das Thema Behinderung selbst: Seit mehr als zehn Jahren bietet Gutmann in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Tanzkurse für Menschen mit Behinderungen an.

Anne Sophie Meyer, bei Gutmann zuständig für Großveranstaltungen, betrachtet die Gala als Experiment. Doch Berührungsängste sind im Friedrichsbau nicht zu spüren: Das Echo, so Meyer, sei durchweg positiv. „Daher überlegen wir, die Gala als feste Größe einmal im Jahr zu etablieren.“ Das dürfte auch Valerie Mark entgegenkommen: „Tanzen ist etwas ganz Schönes“, ruft sie in ihrer Ansprache – und erntet den längsten Applaus des Abends.

 

Erstmals erschienen in der Badischen Zeitung am 06.12.2010: www.badische-zeitung.de

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