Moderne Kunst in der Autowerkstatt

„Invasion“ Kulturfestival bringt zeitgenössische Kunst in den Stadtteil Haslach. Der Besucherandrang könnte stärker sein.

Ein tätowierter Mann sticht sich lustvoll eine dicke Metallnadel durch die Wangen: Dieses durchaus gewöhnungsbedürftige Motiv ist Teil einer Fotoausstellung in der Pretty Wall Gallery. Die Bilder zeigen so genannte Körperkunst, auch „Bodyperformance“ genannt, und werden derzeit im Rahmen des Invasion Kulturfestival in der Haslacher Straße ausgestellt. Negative Reaktionen auf die Bilder habe es kaum gegeben, sagt Festivalveranstalter Wolfgang Schuler. Nur Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der am Eröffnungsabend eine Rede hielt, habe die Fotos „heftig“ gefunden – jedoch eingeräumt, dass sie dennoch „interessant“ seien.

„Die Pretty Wall Gallery dient meist als Atelier, ab und zu organisieren wir hier auch Ausstellungen“, erzählt Harry Gehring, einer der beiden Inhaber der Galerie. Nebenan frisiert Diplomingenieur Christian Vogt alte VW-Busse und -Käfer. Dass zum Festival auch großformatige neonfarbene Bilder des Künstlers Index an den Wänden seiner Edel-Werkstatt hängen, stört ihn nicht. Kontrast ist bei Invasion Programm. Auch beim Essen: Die Besucher können unter anderem zwischen dem bodenständigen Hamburger und der feinen Garnelenpfanne wählen. Sven Galvez, der auf dem Galeriegelände für die Gastronomie zuständig ist, erklärt das Konzept: „Wir möchten etwas Gehobeneres anbieten, aber zu akzeptablen Preisen.“ Insbesondere mit den Getränkepreisen sei man bewusst nach unten gegangen. Trotzdem ist Galvez enttäuscht: „Wir haben uns viel Mühe gegeben, leider nehmen bisher zu wenig Leute unser Angebot wahr.“

Ein tendenziell positives Zwischenresümee zieht dagegen Wolfgang Schuler: „Das erste Wochenende war insgesamt gut besucht.“ Leider seien jedoch zu wenige Besucher zum Eröffnungstag gekommen. Das daraus entstandene Defizit habe man noch nicht kompensieren können, hoffe aber auf einen Ansturm am Wochenende. Schuler misst Erfolg nicht ausschließlich in Zahlen: „Viele haben sich am Samstag persönlich für die Party und die gute Atmosphäre hier bedankt, das gab es letztes Jahr nicht.“ Insbesondere die Konzerte des Beatboxers „Hanswurst“ und des Dresdner Musikers Konrad Küchenmeister seien ein Publikumsrenner gewesen. Auf ähnlich positive Resonanz hofft Mitveranstalter Christian Opplar für das kommende Wochenende: „Am Samstagnachmittag sollte man sich auf keinen Fall die Bächlesörfer entgehen lassen, das ist Freiburger Mundart-Pop.“

Am Dienstagabend verirren sich nur wenige Menschen aufs Festivalgelände. Erst als auf der Rückwand der Jazz- und Rockschule der Dokumentarfilm „Home“ gezeigt wird, nimmt der Publikumsverkehr ein wenig zu. Die Besucher genießen den Abend bei einem Bier oder einem Cocktail. Obwohl die „Lex Caipi“ der Stadt – ein Ausschankverbot von Cocktails auf öffentlichen Plätzen – nach wie vor Gültigkeit hat, dürfen die Gäste ihren Caipirinha durchaus draußen trinken, nur bestellen müssen sie ihn im Innenbereich. Für so viel Verordnungs-Wirrwarr hat der Barmann nur ein müdes Kopfschütteln übrig: „Das ist gaga, wenn du mich fragst!“

 

Erstmals erschienen in der Badischen Zeitung am 29.07.2010: www.badische-zeitung.de

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