Zwei Familien aus Teheran und Freiburg stehen gemeinsam am Herd

Für die Sendung „In Nachbars Küche“ haben Maryam und Davod Esfahani sowie Ilona und Klaus Pröbstle ein iranisches Mahl zubereitet.

Obwohl mehr als jeder Vierte im „Ländle“ einen Migrationshintergrund hat, leben auch in Baden-Württemberg viele Deutsche und Einwanderer eher neben- als miteinander. Das SWR Fernsehen startete daher im August 2010 die sechsteilige Reihe „In Nachbars Küche“, bei der Einwanderer und Deutsche gemeinsam vor der Kamera internationale Köstlichkeiten zubereiten. Autorin Ina Held will, dass die Menschen in Baden-Württemberg ein wenig neugieriger aufeinander werden – die Alteingesessenen auf die Zugewanderten und umgekehrt: „In der Küche wird doch immer gerne viel geredet, und so erfahren die Zuschauer über das Kochen ganz nebenbei etwas über die Kulturen anderer Länder.“

Mit den Esfahanis ist auch eine Familie aus Freiburg dabei. Für die SWR-Sendung, die am 18. August ausgestrahlt wird, hat die iranischstämmige Familie zusammen mit ihren deutschen Freunden, den Pröbstles, ein persisches Festtagsmenü gezaubert: Hähnchen mit gekochtem Reis und Berberitzen. „Für die persische Küche braucht man viel Zeit, wir waren von morgens bis am späten Nachmittag beschäftigt“, sagt Maryam Esfahani. Die diplomierte Übersetzerin aus Teheran lebt mit ihrem Mann Davod, einem Chirurgiemechaniker, seit 2004 in Freiburg, ihre beiden Kinder sind in Deutschland geboren. Das Menü, das das iranisch-deutsche Team zubereitet, werde „normalerweise nur bei Hochzeiten und großen Festen“ aufgetischt, verrät die 38-Jährige.

Klaus und Ilona Pröbstle, ein pensioniertes Anwaltsehepaar aus Freiburg, sind seit vielen Jahren mit den Esfahanis befreundet. Maryam Esfahani hat Klaus Pröbstle an der Universität getroffen. Da ihr iranisches Übersetzungsdiplom in Deutschland nicht anerkannt wird, studiert sie noch einmal Anglistik und Islamwissenschaften. „Als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich sie zu den Nachmittagsseminaren mitgenommen“, erzählt sie. Da sei auch immer dieser ältere Student gewesen, der bereits eine Karriere als Anwalt hinter sich habe. „Über die Kinder haben wir uns näher kennen gelernt.“ Klaus Pröbstle habe ihr in schwierigen Situationen häufig Unterstützung angeboten: „Er hat mir beim Deutschlernen geholfen und gelegentlich auf die Kinder aufgepasst.“

Beim Kochen vor der Kamera haben die Familien auch über Integration gesprochen. „Ich fühle mich gut hier“, sagt Maryam Esfahani zufrieden. An ihre Heimat Teheran denke sie nicht allzu oft; ein Teil der Familie wohnt ohnehin in Deutschland und ihre Mutter kommt regelmäßig zu Besuch. Vor fünf Jahren sei sie zuletzt im Iran gewesen, bei ihrem Mann Davod, der 1984 als politischer Flüchtling nach Deutschland kam, liege der letzte Besuch schon acht Jahre zurück. „Ich versuche, mich in Deutschland zu integrieren – täte ich das nicht, würde ich die Heimat vielleicht zu sehr vermissen“, gibt Maryam Esfahani zu, die nach ihren Vorlesungen im Internationalen Club des Studentenwerks Kulturabende organisiert.


“In Nachbars Küche … Persische Kochkultur“, am Mittwoch, 18. August um 18.15 Uhr im SWR Fernsehen.

 

Erstmals erschienen in der Badischen Zeitung am 17.08.2010: www.badische-zeitung.de

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